Emil und die vier Baustellen

 

Emils Frauchen meldete sich bei mir, weil ihr Kater erhöhte Nierenwerte hatte und darüber sehr besorgt war. Und in der Tat, es war angeraten, den Nieren Unterstützung zu leisten. So nahm ich Emil und auch seine beiden Kumpelinnen in meiner Patientenriege auf. 

 

Der Beginn

In der Anamnese (Aufnahme und Auswertung der gesamten Krankengeschichte) fielen mir neben der erhöhten Nierenwerte 2 weitere Dinge auf, die angeschaut werden wollten: 


Zum einen hatten alle drei Katzen drei Jahre zuvor einen Giardienbefall (parasitäre Einzeller im Darm der Katze, die schwere Durchfälle verursachen können), der mithilfe des tierärztlich verordneten Panacur behandelt wurde. Ich war aber verwundert, dass nach dieser Medikamentengabe keine weitere Kontrolle erfolgte. Das Medikament war seitens des Tierarztes verordnet worden, aber es war versäumt worden, die Kundin darüber aufzuklären, dass eine nochmalige Kotuntersuchung zur Kontrolle erfolgen sollte. So verordnete ich einen Giardien-PCR-Test (zuverlässiger als der herkömmliche Schnelltest), um zu schauen, ob der Befall tatsächlich eliminiert war. 

 

Zweitens empfahl ich eine erneute Zahnuntersuchung mit Dentalröntgen, was erst einmal nicht auf große Begeisterung bei Emils Frauchen stieß, da die letzte vollständige Untersuchung gerade einmal 10 Monate her war. Der Hintergrund meiner Empfehlung war, dass bei Emil schon sehr häufig Zahnsanierungen durchgeführt wurden, weil er schwer von FORL betroffen war. Aufgrund der höhten Nierenwerte vermutete ich einen weiter fortgeschrittenen Prozess an den verbliebenen Zähnen. Ich erklärte der Kundin, dass Emil nicht die erste und letzte Katze sein würde, deren Nierenwerte sich wieder normalisieren, wenn die bösen Beißerchen raus wären (sofern ich mit meiner Vermutung recht behielte).

 

Drittens fiel in den vorgelegten Blutwerten auf, dass der Kater eine verringerte Thromobzytenanzahl (Thrombozytopenie) aufwies. Diese Blutplättchen spielen eine wichtige Rolle bei der Blutstillung und bei der Reparatur von Gewebedefekten nach einer Verletzung der Blutgefäße. Sie müssen in ausreichender Zahl im Blut vorhanden sein, um diese Aufgabe erfüllen zu können. Wie sich dann herausstellte, war das Problem nicht neu, sondern eine Entwicklung über mehrere Jahre. Nach und nach waren die Thrombozyten weniger geworden und waren nun im letzten vorliegenden Blutbild an der unteren Grenze angekommen. Die nächste nächste Blutauswertung, die vor der Narkoselegung im Rahmen des Dentalröntgens gemacht werden sollte, würde Aufschluss geben, wie es jetzt um diesen speziellen Wert bestellt wäre.

Der weitere Verlauf in Kurzform:

Die Giardien:

Der Giardien-PCR-Test war leider wie befürchtet positiv. Unsere erste Aufgabe war nun also, die Darmparasiten zu beseitigen. So eine Behandlung stützt sich auf 3 Säulen: 

 

  1. Eliminierung der Giardien in der Katze
  2. Eliminierung der Giardien in der Umgebung (Wohnungsreinigung nach bestimmten Vorgaben)
  3. nachhaltiger Aufbau des Immunsystems (sehr wichtig – wird von den Tierärzten aber leider selten bis gar nicht berücksichtigt), was ich homöopathisch machte

 

Ergebnis: Nach 4 Wochen war der Giardientest negativ und die folgenden 2 Testungen im Abstand von weiteren 4 und 8 Wochen blieben es auch. Das erste Problem war beseitigt.

Zahnuntersuchung / Blutuntersuchung

Das Dentalröntgen ergab, was ich befürchtet hatte: Emil hatte schon wieder faule FORL-Beißerchen, die dringend raus mussten. 

In den Blutwerten war zu sehen, dass die Anzahl der Thrombozyten weiter gesunken waren. Die Zahnsanierung verlief aber glücklicherweise problemlos – in dem Zusammenhang wurden natürlich auch die Nieren besonders unterstützt. Ich riet der Halterin, 1 Monat später die Nierenwerte erneut checken zu lassen (während meine Behandlung weiterlief), um zu schauen, ob diese sich diese nach der Entfernung der Zähne verbessert haben könnten. Dann sollte auch noch mal der Thrombozytenwert gecheckt werden. 

 

Die erneute Kontrolle ergab, dass die Nierenwerte ganz wunderbar in den Normalbereich zurückgegangen waren, worüber sich Frauchen (und ich) natürlich sehr freuten. 

Das Geheimnis der Thrombozytopenie:

Sorge machte den behandelnden Ärzten und mir, dass die Anzahl der Thrombozyten mittlerweile ein Niveau erreicht hatte, welches wahrlich besorgniserregend war. Emil hatte nur noch 1/3 des Mindestwertes - also massiv zu wenig! Das motivierte die Ärzte, sich an die Ursachenforschung zu begeben. Sie veranlassten über eine Blutentnahme eine PCR-Untersuchung auf Mycoplasma haemofelis und Mycoplasma turicensis - diese Erreger können das Blut schädigen. Der Test fiel glücklicherweise negativ aus.

Aber damit hatten wir keine Ursache - allgemeines Schulterzucken und keine weiteren Ideen. Mir ging es aber nicht anders: Ich hatte auch keine rechte Idee, wie ich die bereits jahrelang abschüssige Entwicklung bremsen sollte, denn

eine Thrombozytopenie tritt auf, wenn das Knochenmark verringert Blutplättchen bildet oder wenn zu viele Thrombozyten zerstört werden bzw. sich in einer vergrößerten Milz anreichern.

Mir schien logisch, dass ich also das Knochenmark und die Milz unterstützen müsste - die Frage war nur womit. War es nicht überheblich zu glauben, so etwas homöopathisch regeln zu können? Nach 5 Tagen hatte ich Arzneien gefunden, die mir sehr richtig erschienen.  So ergänzte ich dementsprechend den laufenden Behandlungsplan um weitere 2 homöopathische Arzneien für Knochenmark und Milz, die 2 x wöchentlich gegeben wurden.

 

Nach 2 Monaten erneute Kontrolle der Blutwerte: Nierenwerte picobello und *trommelwirbel* der Thrombozytenwert hatte sich fast verdoppelt, war aber immer noch deutlich zu niedrig. Also blieben wir bei der Behandlung.

 

3 Monate später wieder Blutentnahme: Nierenwerte weiterhin unverändert gut und stabil im Normalbereich und *posaunenchor* der Thrombozytenwert hatte sich nochmals verdoppelt und war damit ganz deutlich im gesunden Bereich. Ich hatte den Jahre andauernden negativen Verlauf  ins Positive umgekehrt. Ich gebe zu, dass ich solch eine positive Entwicklung nicht erwartet hatte und freute mich fast mehr als Emils Frauchen.

Die Moral von der Geschicht':

Ich lerne durch jede Patientenkatze so unendlich viel und eines wird mir immer wieder deutlich: Glaube nie nur das Offensichtliche, sondern schau in die Tiefe. Die meisten kühnen Thesen stellen sich oft als richtig heraus. 


© Marion Frömming 

Tierheilpraktikerin 

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