Der gute Tod in Zeiten der Corona-Pandemie?

Sterbebegleitung

Die seit Monaten herrschende Corona-Pandemie greift mit langen Fingern in alle Bereiche des menschlichen Lebens ein. Nach und nach wird uns bewusst, dass Dinge, die wir für selbstverständlich erachteten, gar nicht selbstverständlich sind. Welche Berufsgruppen wirklich systemrelevant sind, wurde uns in den letzten Monaten mehr als deutlich. 

Als Tierhalter*in wurde und wird man hinsichtlich Tierarztbesuche ebenfalls mit Veränderungen konfrontiert. Soweit ich das beobachten konnte, gingen die Praxen und Kliniken recht unterschiedlich vor: Die einen nahmen die Tiere vor der Tür entgegen und untersuchten/behandelten ohne Beisein der Halter*innen, andere ließen Frauchen oder Herrchen mit hinein, aber immer nur eine Person und unter umfangreichen Hygieneauflagen. Gleich war aber in allen mir bekannten Praxen/Kliniken, dass es eine veränderte Vorgehensweise zum Schutze der Praxisteams sowie der Tierbesitzer*innen gab und geben musste. 

Schwierig ist es nunmehr, wenn man sein sehr krankes Tier auf seinem letzten Weg begleitet und das Lebensende in greifbare Nähe rückt. 

Hausbesuche zum Zwecke der Einschläferung waren für viele Tierhalter*innen bisher ein dankbar angenommenes Angebot. Wer möchte sein geliebtes Tier nicht lieber Zuhause seinen letzten Weg gehen lassen? Die Vorstellung, dass der kleine Freund in ruhiger und vertrauter Umgebung ohne jedweden Stress eines Transports zur Praxis über die Regenbogenbrücke gehen kann, ist für die meisten Halter*innen ein Trost, der die nachfolgende Trauer ein ganz kleines bisschen erträglicher macht. 

Leider findet dieser besondere Service der tierärztlichen Praxen nicht mehr in dem Umfang statt, wie wir das gewohnt waren. Es ist schwierig, in dieser Situation ad hoc eine Tierärtzin oder einen Tierarzt zu finden, die/der ins Haus kommt. Leider habe ich dies in mehreren Fällen innerhalb der Pandemie erlebt. Ich habe natürlich für beide Seiten der Beteiligten vollstes Verständnis. Die Dinge sind, wie sie sind - das Coronavirus macht es uns nicht einfach. 

Aufgrund meiner diesjährigen Erfahrungen möchte ich die Inspiration geben, dass es wichtig ist, frühzeitig mit der behandelnden Praxis zu klären, ob eine Einschläferung unter allen Umständen und zu jeder Zeit Zuhause stattfinden kann (oder ob es zeitliche Einschränkungen gibt) oder ob diese Möglichkeit von Vornherein nicht gegeben ist. Wenn eine Euthanasie Zuhause nicht möglich ist, sollte man Plan B parat haben, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Es sollte geklärt werden, wohin man außerhalb der üblichen Sprechzeiten mit seinem Tier fahren kann. Die entsprechende Telefonnummer der dafür auserwählten Praxis sollte jederzeit griffbereit sein, um anrufen zu können bevor man losfährt, denn in der Aufregung ist man selten in der Lage, cool und gelassen zu reagieren. 

Sollte die Wahrscheinlichkeit gegeben sein, evtl. so verfahren zu müssen und das Tier ist mit der aktuellen Erkrankung in der anderen Praxis/Klinik nicht bekannt, empfiehlt es sich, frühzeitig zu klären, ob die/der behandelnde Tierärztin/Tierarzt ('Haustierarztpraxis') der anderen Praxis/Klinik ein paar Infos gibt, damit dort nicht erst unnötige Diagnostik betrieben werden muss, wenn das Tier gebracht wird. Andernfalls sollte man die Befunde mitnehmen und vorlegen. 

Ich habe in diesem Jahr (2020) leider einen Fall erlebt, in der sich eine Tierärztin weigerte, nachts ein an Krebs erkranktes Tier einzuschläfern, weil ihr die Krankengeschichte nicht bekannt war und sie den Verlauf nicht einschätzen konnte. 

Wer im ländlichen Raum keine Praxis/Klinik findet, die es möglich machen kann, auch notfalls in der Nacht tätig zu werden, sollte sich mit seiner Tierärztin oder seinem Tierarzt beraten, wann und in welchem Rahmen das Tier zu praxisüblichen Zeiten eingeschläfert werden könnte. Ich bin ja eine große Befürworterin, dass einem Tier ein leidfreier oder -armer Abschied bis zum Tod ermöglicht wird. Den Lebensfaden zu früh abzuschneiden, halte ich persönlich für ebenso schwierig, wie ein zu spätes Tätigwerden. Den richtigen Zeitpunkt zu finden treibt letztlich sowieso jede/n Halter*in um. Unter den derzeitigen erschwerten Bedingungen ist es aber eine echte Herausforderung. 

Grundsätzlich ist es wichtig, sich damit vertraut zu machen, wie der letzte Weg des geliebten Tieres gestaltet werden sollte (sofern planbar), aber in Zeiten der Corona-Pandemie halte ich es für unerlässlich

 

© Marion Frömming 

Tierheilpraktikerin 

MORE than CATS